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Dachziegel

Historische Dachziegel Arten und ihre Verwendung

Historische Dachziegel Arten wie Biberschwanz und Mönch-Nonne zeigen, wie Dachdeckungen früher aussahen und was bei der Sanierung heute zu beachten ist.

Kategorie Dachziegel
Autor Torsten Reimann
Veröffentlicht
Lesezeit 4 Min.
Historische Dachziegel Arten und ihre Verwendung

Wer ein altes Dach saniert oder ein denkmalgeschütztes Gebäude begutachtet, stößt schnell auf ganz unterschiedliche historische Dachziegel Arten – von flachen Biberschwänzen über halbrunde Mönch-Nonne-Ziegel bis zu frühen Falzziegeln. Jede dieser Formen entstand aus einem bestimmten technischen oder regionalen Bedarf und stellt bei der Instandsetzung eigene Anforderungen an Material, Dachneigung und handwerkliches Können. Der folgende Überblick ordnet die wichtigsten alten Dachziegel-Arten ein und erklärt, worauf es bei ihrer Verwendung heute ankommt.

Biberschwanzziegel – die verbreitetste Form unter den alten Dachziegel Arten

Der Biberschwanz ist flach, rechteckig und läuft an einem Ende oft rund oder leicht zugespitzt aus – daher der Name. Typische Formate liegen bei etwa 38 x 18 Zentimetern, verlegt werden je nach Deckungsart rund 40 bis 45 Stück pro Quadratmeter.

Er wird traditionell in Kronendeckung, Doppeldeckung oder als Schuppendeckung verlegt. Da er ohne Falz auskommt, braucht er eine ausreichend steile Dachneigung, damit Regenwasser sicher abläuft:

  • Doppeldeckung: ab etwa 30 Grad Neigung
  • einfache Kronendeckung: eher ab 40 bis 45 Grad

Diese Ziegelart prägt vor allem Fachwerkhäuser und Altstadtbebauung in Mittel- und Norddeutschland und gehört zu den am häufigsten nachgefragten historischen Tondachziegeln bei Sanierungen.

Mönch-und-Nonne-Ziegel – mediterranes Erbe im Süden

Diese Ziegelart geht auf römische Dachdeckungstechniken zurück und besteht aus zwei sich ergänzenden Formen: der konvexen „Mönch“-Schale, die auf die konkave „Nonne“-Schale gelegt wird. Das Prinzip ähnelt einer Rinne mit aufgesetzter Kappe.

Verbreitet ist diese Bauweise vor allem in Süddeutschland, am Rhein und in Weinbauregionen mit italienisch geprägter Baukultur. Die Ziegel sind vergleichsweise schwer, wurden ursprünglich von Hand geformt und benötigen eine Mindestneigung von rund 25 Grad, da die überlappenden Halbschalen selbst bei flacheren Dächern noch ausreichend Wasser ableiten.

Bei der Sanierung solcher Dächer ist besonders auf passende Krümmung und Farbton zu achten, da industriell gefertigte Nachbildungen oft von der historischen Handform abweichen.

Hohlpfannen und Krempziegel – der Übergang zur Falzung

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelten Ziegeleien im Rheinland und in Westfalen die Hohlpfanne als leichtere und günstigere Alternative zum Mönch-Nonne-System. Die S-förmige Wellung übernimmt Rinnen- und Deckfunktion in einem Stück, wodurch weniger Material und Arbeitszeit nötig sind.

Eine Weiterentwicklung ist der Krempziegel mit einem aufgestellten Rand, dem sogenannten Kremp, der seitlich austretendes Wasser besser zurückhält. Beide Typen gelten als Vorläufer der späteren Falzziegel, weil sie erstmals eine einfache, aber wirksame seitliche Überlappung nutzten.

Für Bestandsbauten mit Hohlpfannen ist wichtig zu wissen, dass Ersatzsteine exakt in Wellenhöhe und -abstand passen müssen – kleine Maßabweichungen führen sonst zu undichten Stößen.

Falzziegel – Wendepunkt zur industriellen Serienfertigung

Ab etwa den 1870er-Jahren ermöglichte die aufkommende Industrialisierung der Ziegelherstellung eine neue Generation von Dachziegeln mit Seitenfalz und Kopfstoß. Diese Falzziegel greifen ineinander wie ein Puzzle und dichten Fugen deutlich zuverlässiger ab als die reine Überlappung älterer Formen.

Der Materialverbrauch sank spürbar: Statt 40 oder mehr Stück pro Quadratmeter genügten nun oft 10 bis 16 Falzziegel, und die minimal zulässige Dachneigung sank auf rund 22 bis 25 Grad. Damit markieren Falzziegel den technischen Bruch zwischen reiner Handwerksfertigung und serieller Produktion.

Viele Bestandsdächer aus der Zeit um 1900 tragen bereits frühe Falzziegel-Modelle, die heute selbst als erhaltenswertes historisches Bauteil gelten und bei Sanierungen möglichst originalgetreu ergänzt werden sollten.

Worauf achten bei der Sanierung mit alten Dachziegel-Arten?

Wer ein historisches Dach instand setzt, steht vor der Frage, ob Originalziegel wiederverwendet, gebrauchte Ziegel beschafft oder Nachbildungen eingesetzt werden. Folgende Punkte sind dabei entscheidend:

  • Statik prüfen: Alte Dachstühle wurden oft exakt für das Gewicht einer bestimmten Ziegelart bemessen. Ein Wechsel zu schwereren Betondachsteinen ohne statische Prüfung kann den Dachstuhl überlasten.
  • Denkmalschutz beachten: Bei geschützten Gebäuden ist die Form, Farbe und teils sogar die Herkunft der Ziegel mit der Denkmalbehörde abzustimmen, bevor Material bestellt wird.
  • Zustand kontrollieren: Frost-Tau-Wechsel führt bei alten Tonziegeln zu Abplatzungen und Haarrissen; solche Schäden sind meist erst nach mehreren Wintern sichtbar und sollten regelmäßig kontrolliert werden.
  • Bezugsquellen sichern: Spezialisierte Ziegeleien und Abbruchhändler führen historische Formate nach, die im regulären Baustoffhandel längst nicht mehr erhältlich sind.

Das Eindecken selbst bleibt Sache eines Dachdeckerbetriebs: Arbeiten in der Höhe erfordern Gerüst oder Anseilschutz und persönliche Schutzausrüstung, und nur Fachleute können die Falztiefe, Lattung und Überdeckung korrekt auf die jeweilige Ziegelart abstimmen.

Fazit

Die verschiedenen historischen Dachziegel Arten unterscheiden sich deutlich in Form, Gewicht und erforderlicher Dachneigung – vom flachen Biberschwanz über die halbrunden Mönch-Nonne-Ziegel bis zu den frühen Falzziegeln der Industrialisierung. Wer ein Altbaudach saniert, sollte die vorhandene Ziegelart genau bestimmen, die Statik des Dachstuhls prüfen lassen und bei geschützten Gebäuden frühzeitig die Denkmalbehörde einbeziehen, bevor Ersatzmaterial beschafft wird.

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