rohbauwissen.de

Dachziegel

Dachziegel Arten: Welche Varianten gibt es?

Dachziegel Arten unterscheiden sich in Form, Verlegeart und Eindeckung – dieser Überblick zeigt Profile, alte Modelle und die passende Dachneigung.

Kategorie Dachziegel
Autor Jürgen Lindemann
Veröffentlicht
Lesezeit 5 Min.
Dachziegel Arten: Welche Varianten gibt es?

Wer sich mit den verschiedenen Dachziegel Arten beschäftigt, stößt schnell auf eine verwirrende Vielzahl an Formen und Fachbegriffen. Entscheidend für die Einordnung ist dabei nicht das Material allein, sondern vor allem das Profil und die Art der Verlegung. Dieser Beitrag ordnet die gängigen Ziegelformen systematisch, erklärt, woran man alte Modelle erkennt, und zeigt, welche Form zu welcher Dachneigung passt.

Dachziegel-Arten nach Form und Profil im Überblick

Die grundlegende Unterscheidung bei den Arten Dachziegel erfolgt über das Profil – also die Querschnittsform, mit der Regenwasser abgeleitet und Ziegel gegeneinander verfalzt werden. Jede Form hat historische Wurzeln und einen typischen Einsatzbereich.

  • Biberschwanz: Flacher, meist rund oder spitz zulaufender Ziegel im Kleinformat (etwa 15 bis 18 cm breit, rund 38 bis 40 cm lang). Er kommt ohne Seitenverfalzung aus und wird entweder als Kronendeckung mit drei Lagen oder als Doppeldeckung mit zwei Lagen verlegt.
  • Flachdachziegel (Flachziegel): Flaches Profil mit Kopf- und Seitenfalz, dadurch geringeres Eigengewicht und ein ruhiges, modernes Erscheinungsbild. Trotz des Namens ist er nicht für Flachdächer gedacht, sondern für geneigte Dächer mit klarer, glatter Optik.
  • Hohlpfanne (S-Pfanne): Ziegel mit S-förmiger Wellenlinie, ursprünglich aus dem mediterranen Raum stammend. Die durchgehende Wellenform sorgt für einen fließenden Übergang zwischen den Ziegeln, verlangt aber eine ausreichend steile Dachneigung, da die Überdeckung an den Seiten geringer ausfällt.
  • Mönch und Nonne: Zweiteiliges System aus gewölbten (Mönch) und rinnenförmigen (Nonne) Ziegeln, die abwechselnd verlegt und meist im Mörtelbett fixiert werden. Diese Form ist arbeitsintensiv in der Verlegung, gilt aber als besonders dauerhaft und wird bis heute bei historischer oder mediterran anmutender Eindeckung eingesetzt.
  • Doppelmuldenfalzziegel: Ziegel mit zwei nebeneinanderliegenden Mulden sowie Kopf- und Seitenverfalzung. Er gilt als der heute meistverbaute Standardziegel, weil er hohe Regen- und Winddichtigkeit mit vergleichsweise einfacher Verlegung verbindet.
  • Strangfalzziegel: Im Strangpressverfahren hergestellter Ziegel mit durchgehender Wellenform und Verfalzung an Kopf und Seite. Er gilt als Vorläufer des Doppelmuldenfalzziegels und wird wegen seiner gleichmäßigen Fertigung häufig als vielseitig einsetzbarer Universalziegel bezeichnet.
  • Reformziegel: Übergangsform zwischen Biberschwanz und Flachdachziegel mit flacherem Profil und mittlerem Format. Er wurde entwickelt, um die einfache Verlegung von Falzziegeln mit der schlichten Optik kleinformatiger Ziegel zu verbinden.

Diese Formen bilden das Grundgerüst jeder Dachziegel Arten Übersicht, denn nahezu alle heute angebotenen Modelle – ob aus Ton oder Beton – lassen sich einer dieser Profilgruppen zuordnen.

Welche Verlegearten unterscheiden die Ziegel-Typen?

Neben der Form entscheidet die Verlegeart darüber, wie ein Ziegeltyp tatsächlich auf dem Dach funktioniert. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Einfachdeckung, Doppeldeckung und Kronendeckung.

  • Einfachdeckung (Verfalzung): Typisch für Falzziegel wie Doppelmuldenfalz- oder Strangfalzziegel. Die Ziegel greifen über Kopf- und Seitenfalze ineinander, sodass jeder Ziegel nur einmal die Dachfläche bedeckt. Diese Technik spart Material und Gewicht, verlangt aber eine Mindestdachneigung, damit an den Falzen kein Wasser eindringt.
  • Doppeldeckung: Wird vor allem bei Biberschwanzziegeln ohne Seitenfalz angewendet. Jeder Ziegel wird von zwei darüberliegenden Ziegeln überdeckt, wodurch auch bei geringerer Dachneigung eine sichere Wasserableitung entsteht. Der Materialbedarf liegt dadurch deutlich höher als bei einfach gedeckten Ziegeln.
  • Kronendeckung: Sonderform der Biberschwanzdeckung mit drei sich überlappenden Lagen. Sie gilt als besonders dicht und wird häufig bei sehr flachen Dachneigungen oder in Regionen mit starkem Schlagregen eingesetzt, ist aber die aufwendigste und schwerste Verlegevariante.

Für die Praxis bedeutet das: Zwei Dächer mit demselben Ziegel können sich in Gewicht, Materialverbrauch und zulässiger Mindestneigung erheblich unterscheiden, je nachdem, welche Verlegeart der Dachdecker wählt. Wer ein Dach plant oder saniert, sollte diese Kombination aus Profil und Deckart daher immer zusammen betrachten und nicht isoliert nur nach dem Ziegelnamen fragen.

Alte Dachziegel-Arten erkennen – Formen aus historischen Dächern

Bei Sanierungen, Anbauten oder denkmalgeschützten Gebäuden stellt sich häufig die Frage, welche alte Dachziegel Arten auf dem Bestandsdach verbaut sind und ob passender Ersatz beschafft werden kann. Historische Dächer weisen oft Formen auf, die im heutigen Baumarktsortiment nicht mehr geführt werden.

  • Handgestrichener Biberschwanz: Vor der industriellen Serienfertigung wurden Biberschwanzziegel von Hand in Formen gestrichen. Sie zeigen unregelmäßige Kanten, leichte Wellungen in der Oberfläche und variieren minimal in Maß und Farbe – Merkmale, an denen sich alte von maschinell gepressten Ziegeln unterscheiden lassen.
  • Regionale Pfannenmodelle: Viele Dachdeckereien und Ziegeleien fertigten früher eigene Profile, die nur regional verbreitet waren. Solche historischen Modelle sind oft nicht mehr in Produktion, weshalb bei Reparaturen entweder gebrauchte Ziegel vom Fachhandel für historisches Baumaterial beschafft oder Nachbrände bei spezialisierten Ziegeleien angefragt werden müssen.
  • Mönch-Nonne-Ziegel älterer Bauweise: Auf Höfen und älteren Wohnhäusern finden sich häufig noch original im Mörtelbett verlegte Mönch-Nonne-Dächer. Diese Eindeckung ist reparaturintensiv, da einzelne Ziegel nur schwer zerstörungsfrei entnommen werden können, ohne die Mörtelverbindung der Nachbarziegel zu beschädigen.

Bei der Beurteilung alter Dachziegel-Arten ist neben der Optik vor allem der Zustand entscheidend. Typische Alterungsschäden sind:

  • Abplatzungen und feine Haarrisse durch Frost-Tau-Wechsel, besonders bei älteren, poröseren Brennqualitäten,
  • Moos- und Flechtenbewuchs, der Feuchtigkeit länger auf der Oberfläche hält und die Frostschädigung beschleunigt,
  • ausgewaschene oder abgeplatzte Engoben und Glasuren, die früher als Wetterschutzschicht aufgebracht wurden.

Vor einem Austausch sollte immer ein Dachdecker prüfen, ob nur einzelne Ziegel oder größere Dachbereiche betroffen sind, da bei denkmalgeschützten Gebäuden zusätzlich Auflagen der Denkmalschutzbehörde zur Form, Farbe und Oberflächenstruktur der Ersatzziegel gelten können.

Welche Ziegelform passt zu welcher Dachneigung?

Die Wahl der Ziegelform ist nicht nur eine Geschmacksfrage, sondern hängt unmittelbar von der Dachneigung ab. Unterhalb der jeweiligen Regeldachneigung schreiben die Fachregeln des Dachdeckerhandwerks zusätzliche Maßnahmen wie eine zweite wasserführende Ebene (Unterspannbahn oder Unterdeckung) vor, damit eingedrungenes Wasser sicher abgeleitet wird.

ZiegelformTypische RegeldachneigungOhne Zusatzmaßnahme geeignet ab
Biberschwanz, Kronendeckungca. 22–25°bei Doppeldeckung auch flacher möglich
Biberschwanz, Doppeldeckungca. 30°ca. 25°
Flachdachziegelca. 25°ca. 22°
Doppelmuldenfalzziegelca. 25°ca. 22°
Strangfalzziegelca. 30°ca. 25°
Hohlpfanne / S-Pfanneca. 30°ca. 25°
Mönch und Nonneca. 35° und steilerselten unterschritten

Diese Werte sind allgemeine Richtwerte und ersetzen keine Herstellerangabe. Jeder Ziegelhersteller weist für sein konkretes Modell eine eigene Regeldachneigung sowie eine Mindestdachneigung mit zusätzlicher Unterdeckung aus, da geringe Unterschiede im Falzprofil die Wasserführung spürbar beeinflussen. Bei Bestandsdächern mit einer Neigung nahe der Grenzwerte sollte grundsätzlich ein Dachdecker die Eindeckung prüfen, bevor ein bestimmter Ziegeltyp neu bestellt wird.

Auch die Windlast spielt eine Rolle: In exponierten Lagen oder bei sehr großen Dachflächen kann eine zusätzliche Sturmklammerung erforderlich werden, unabhängig davon, welche Ziegelform gewählt wird. Diese Festlegung erfolgt im Regelfall durch den ausführenden Betrieb anhand der örtlichen Windzone und Geländekategorie.

Fazit

Die Vielfalt der Dachziegelformen lässt sich auf wenige Grundprofile zurückführen, die sich in Verlegeart, Materialbedarf und zulässiger Dachneigung unterscheiden. Für Neubau und Sanierung lohnt es sich, Form und Verlegetechnik immer gemeinsam zu betrachten, während bei historischen Dächern zusätzlich die Identifikation des originalen Modells und sein tatsächlicher Erhaltungszustand über das weitere Vorgehen entscheiden. Im Zweifel gibt eine fachliche Begutachtung vor Ort verlässlicher Aufschluss als der Vergleich anhand von Katalogbildern.

Zurück zu Dachziegel

Ähnliche Artikel