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Alte Dachziegel Arten: Geschichte und Merkmale

Alte Dachziegel Arten zeigen sich in Form, Material und Herstellungstechnik – so erkennen Sie historische Ziegeltypen sicher und ordnen sie richtig ein.

Kategorie Dachziegel
Autor Torsten Reimann
Veröffentlicht
Lesezeit 4 Min.
Alte Dachziegel Arten: Geschichte und Merkmale

Wer ein altes Dach begutachtet, stößt schnell auf Formen und Oberflächen, die es in modernen Baumärkten längst nicht mehr gibt. Alte Dachziegel Arten unterscheiden sich vor allem durch Handwerkstechnik, Tonmischung und regionale Formgebung, die je nach Entstehungszeit stark variierten. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die historischen Typen selbst – wie sie entstanden sind und woran man sie heute noch erkennt.

Woher stammen die verschiedenen historischen Ziegelformen?

Bis ins 19. Jahrhundert wurde praktisch jeder Dachziegel von Hand geformt und in lokalen Ziegeleien gebrannt. Das erklärt, warum sich in Norddeutschland andere Formen durchsetzten als in Süddeutschland oder im Alpenraum: Tonvorkommen, Klima und handwerkliche Tradition prägten die jeweilige Bauweise.

Erst mit der Industrialisierung und der Erfindung von Strangpressen und Ziegelpressen ab etwa 1870 wurden einheitlichere Formen möglich, die sich über größere Regionen verbreiteten. Wer die Dachziegel-Arten eines Bestandsgebäudes einordnen will, kann daher grob nach Entstehungszeit unterscheiden: handgestrichene Formen vor der Industrialisierung, maschinell gepresste Übergangsformen um die Jahrhundertwende und standardisierte Falzziegel des 20. Jahrhunderts. Diese zeitliche Einordnung hilft besonders bei der Sanierung, weil sie eingrenzt, welche Ersatzziegel überhaupt infrage kommen.

Biberschwanz und Mönch-Nonne: die ältesten Grundformen

Der Biberschwanz zählt zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Formen unter den historischen Dachziegel-Arten. Er ist flach, meist rechteckig mit abgerundetem oder zugespitztem unteren Ende und wurde traditionell in einfacher Deckung, Doppeldeckung oder Kronendeckung verlegt. Seine Flachform machte ihn anfällig für Feuchtigkeitseintritt bei Schlagregen, weshalb die Überdeckung entsprechend großzügig ausfallen musste.

Die Mönch-Nonne-Deckung ist noch älter und stammt ursprünglich aus dem mediterranen Raum. Sie besteht aus zwei unterschiedlichen Ziegeltypen: der gewölbten „Nonne“, die direkt auf der Lattung liegt, und dem darüber verlegten „Mönch“, der die Stoßfugen abdeckt. Diese Bauweise erkennt man an der charakteristischen Wellenoptik des Dachs und findet sie noch häufig an historischen Gebäuden in Süddeutschland.

  • Biberschwanz: flach, glatte Oberfläche, oft mit gezacktem oder rundem Fuß
  • Mönch-Nonne: halbrunde, gewölbte Form, zweiteiliges Verlegesystem

Woran erkennt man historische Ziegel bei einer Bestandsaufnahme?

Handgestrichene Ziegel weisen unregelmäßige Ränder, leichte Formabweichungen und feine Fingerabdrücke oder Werkzeugspuren an der Unterseite auf. Diese Unregelmäßigkeit ist kein Mangel, sondern ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal gegenüber maschinell hergestellten Ziegeln, die stets exakt gleich ausfallen.

Auch die Farbe gibt Hinweise: Naturrote bis bräunliche Töne entstehen durch den verwendeten Ton und geringere Brenntemperaturen, während spätere Ziegel oft durch Engobe oder Glasur eine gleichmäßigere Oberfläche erhielten. Ein weiteres Merkmal ist das Gewicht – ältere, dickwandigere Ziegel sind häufig schwerer als moderne Dünnschnitt-Varianten.

Bei der Prüfung vor Ort helfen folgende Punkte:

  • Klangprobe: Ein sauberer, heller Klang beim Anklopfen deutet auf intakten, gut durchgebrannten Ton hin; ein dumpfer Klang auf Risse oder Frostschäden
  • Kanten und Oberfläche auf Abplatzungen (Frostabsprengungen) prüfen
  • Rückseite auf Herstellerstempel oder Ziegeleimarken untersuchen, die oft eine Datierung erlauben

Solche Bewertungen sollten bei denkmalgeschützten Dächern grundsätzlich von einer Fachfirma oder einem Dachdeckerbetrieb mit Erfahrung im Bestandsbau vorgenommen werden, da Substanzschäden von außen nicht immer sichtbar sind.

Reformziegel und Falzziegel: der Übergang zur Serienfertigung

Ab Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sogenannte Reformziegel, die als Vorläufer der modernen Falzziegel gelten. Sie erhielten seitliche Falze, die ein besseres Ineinandergreifen der Ziegel ermöglichten und damit die Regendichtigkeit gegenüber der einfachen Biberschwanzdeckung deutlich verbesserten. Diese Übergangsform ist an ihrer noch relativ einfachen, meist einwelligen Profilierung erkennbar.

Parallel dazu verbreiteten sich Doppelmuldenfalzziegel, deren Oberfläche zwei parallele Wellen zeigt und die bis heute in leicht abgewandelter Form produziert werden. Historische Exemplare unterscheiden sich von aktuellen Nachbauten meist durch etwas gröbere Tonstruktur und geringfügig abweichende Maße, was beim Austausch einzelner Ziegel zu Problemen bei der Passgenauigkeit führen kann.

Für eine fachgerechte Einordnung lohnt sich ein Blick in regionale Ziegelkataloge oder Denkmalschutz-Dokumentationen, da viele Ziegeleien ihre Modelle nur lokal vertrieben. Wer bei einer Sanierung passende Ersatzziegel sucht, sollte diese Herkunft möglichst genau bestimmen, bevor er auf spezialisierte Anbieter für historische Baumaterialien zurückgreift.

Fazit

Die Übersicht historischer Dachziegel-Arten zeigt, dass sich Form, Material und Herstellungsweise über die Jahrhunderte stetig weiterentwickelt haben – von handgeformten Biberschwänzen über die Mönch-Nonne-Deckung bis zu den ersten Falzziegeln der Industrialisierung. Wer ein altes Dach beurteilt oder saniert, sollte diese Merkmale kennen, um Schäden richtig einzuordnen und passende Ersatzmaterialien zu finden. Bei denkmalgeschützten oder strukturell auffälligen Dächern führt an einer fachkundigen Begutachtung durch den Dachdeckerbetrieb kein Weg vorbei.

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