Wer sich fragt, welche Arten von Dachziegel es gibt, stößt schnell auf zwei Unterscheidungsebenen: die Form des Ziegels und das Material, aus dem er gebrannt oder gegossen ist. Beide Ebenen entscheiden gemeinsam über Optik, Dachneigung, Gewicht und Preis – während die Pillar-Seite „Dachziegel Arten“ das Thema insgesamt einordnet, geht es hier gezielt darum, welche konkreten Ziegeltypen am Markt und im Bestand vorkommen.
Dachziegel-Arten nach Form: der klassische Überblick
Die gängigsten Dachziegel-Arten unterscheiden sich vor allem durch ihre Deckung, also die Art, wie sie sich überlappen und gegen Schlagregen abdichten. Diese Formenvielfalt ist über Jahrzehnte gewachsen und regional geprägt.
- Biberschwanzziegel: flach, meist mit rundem oder segmentbogenförmigem Fußende, klassische Kronen- oder Doppeldeckung, Mindestdachneigung ab etwa 30°.
- Flachdachziegel: großformatig, glatte Oberfläche, einfache Verlegung mit Seitenfalz, geeignet ab rund 22° Dachneigung.
- Falzziegel: mit Kopf- und Seitenfalz für sichere Verzahnung, dazu zählen Reformziegel und Doppelmuldenfalzziegel, oft schon ab 25° einsetzbar.
- Hohlpfannen (S-Pfannen): wellenförmiges Profil, sehr wetterbeständig, in Süddeutschland und mediterranen Regionen verbreitet.
- Mönch-und-Nonne-Ziegel: zweiteiliges System aus konkaven und konvexen Ziegeln, historisch und regional vor allem im Alpenraum und Mittelmeerraum verbreitet.
Jede dieser Arten von Dachziegeln verlangt eine passende Lattung und Überdeckung, die der Hersteller in seinen Verlegehinweisen angibt – Abweichungen führen schnell zu Undichtigkeiten bei Flugschnee oder Schlagregen.
Tondachziegel oder Betondachziegel – welches Material passt?
Neben der Form entscheidet das Material über Lebensdauer, Gewicht und Kosten. Bei den Dachziegel-Arten aus Ton wird Lehm bei hohen Temperaturen gebrannt, wodurch eine dichte, frostbeständige Oberfläche entsteht; die Norm DIN EN 1304 regelt Maße und Prüfwerte. Betondachsteine dagegen werden aus Zement, Sand und Pigmenten gepresst und nach DIN EN 490/491 geprüft.
- Tonziegel: langlebig (oft 60 Jahre und mehr), farbecht durch Engobe oder Glasur, etwas teurer in der Anschaffung.
- Betondachsteine: günstiger, meist etwas schwerer, Farbe liegt als Beschichtung auf und kann nach vielen Jahren nachlassen.
Für die Statik ist das Flächengewicht entscheidend: Tonziegel liegen je nach Modell zwischen etwa 40 und 55 kg/m², Betondachsteine oft zwischen 45 und 50 kg/m². Bei einer Umdeckung oder beim Ersatz einzelner Dachziegel-Arten sollte ein Statiker prüfen, ob der bestehende Dachstuhl das gewählte Material trägt – besonders bei älteren Konstruktionen mit schlankeren Sparrenquerschnitten.
Alte Dachziegel-Arten: Was im Baubestand häufig verbaut ist
Bei Sanierungen und im Denkmalschutz begegnen Handwerkern immer wieder alte Dachziegel-Arten, die heute kaum noch neu produziert werden. Dazu zählen historische Biberschwanzformate mit unregelmäßigen Kanten, handgestrichene Ziegel mit sichtbarer Struktur sowie die erwähnten Mönch-und-Nonne-Ziegel aus vorindustrieller Fertigung.
Auch der sogenannte Krempziegel, ein einfacher, flacher Ziegeltyp aus dem 19. Jahrhundert, taucht in älteren Dachstühlen häufig auf. Diese alten Dachziegel-Arten sind oft nicht mehr im aktuellen Sortiment erhältlich, weshalb bei Reparaturen entweder Gebrauchtmaterial aus spezialisiertem Handel beschafft oder ein möglichst ähnliches Nachfolgeprodukt gewählt werden muss.
- Vor dem Ersatz einzelner Ziegel Maße, Falzprofil und Deckbreite genau dokumentieren.
- Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist die Untere Denkmalschutzbehörde einzubinden, bevor Ziegel getauscht werden.
- Alte Ziegel vor Wiederverwendung auf Haarrisse und Frostschäden prüfen – geschädigte Stücke halten keine weitere Frostperiode durch.
Welche Dachziegel-Art passt zu welchem Dach?
Die Wahl unter den verschiedenen Arten Dachziegel hängt in erster Linie von drei Faktoren ab: Dachneigung, Region und gestalterischem Anspruch. Ein flach geneigtes Dach unter 25° verlangt nach Falz- oder Flachdachziegeln mit werkseitig geprüfter Regensicherheit, während steilere historische Dächer klassisch mit Biberschwanz gedeckt werden.
In schneereichen oder sehr regenintensiven Lagen empfehlen Hersteller häufig eine zusätzliche Sicherheitsreserve bei der Mindestdachneigung sowie eine Unterspannbahn oder Unterdeckung als zweite wasserführende Ebene. Bei der Sanierung von Bestandsgebäuden orientiert sich die neue Eindeckung meist am vorhandenen Ortsbild oder an Vorgaben der örtlichen Bauordnung, etwa bei einheitlichen Farbtönen in Siedlungsgebieten.
- Steildach über 45°: klassische Biberschwanz- oder Falzziegel möglich, hohe gestalterische Freiheit.
- Mittlere Neigung 25–45°: Flachdachziegel, Reformziegel oder Betondachsteine, gute Wirtschaftlichkeit.
- Denkmalgeschützte Gebäude: Auswahl richtet sich nach historischem Vorbild, oft in Abstimmung mit der Denkmalbehörde.
Wer unsicher ist, sollte die technischen Merkblätter der Hersteller mit den Angaben zu Windsog, Regensicherheit und Verlegeabstand vergleichen, statt sich allein an der Optik zu orientieren.
Fazit
Die Antwort auf die Frage nach den verschiedenen Dachziegel-Arten liegt im Zusammenspiel aus Form, Material und Einsatzort: Biberschwanz, Flachdachziegel, Falzziegel, Hohlpfanne und Mönch-Nonne-Systeme lassen sich jeweils in Ton oder Beton ausführen. Bei Sanierungen alter Dächer kommt die Herausforderung hinzu, passende historische Ziegeltypen zu beschaffen oder fachgerecht nachzubilden. Wer Dachneigung, Statik und regionale Vorgaben von Anfang an mitdenkt, trifft eine Wahl, die technisch wie gestalterisch für Jahrzehnte trägt.