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Dachziegel

Alte Dachziegel-Arten erkennen und restaurieren

Alte Dachziegel-Arten lassen sich an Form, Material und Falztechnik erkennen – so gelingt die fachgerechte Restaurierung historischer Dächer.

Kategorie Dachziegel
Autor Matthias Brandner
Veröffentlicht
Lesezeit 5 Min.
Alte Dachziegel-Arten erkennen und restaurieren

Wer alte Dachziegel-Arten bestimmen will, achtet zuerst auf Form, Größe und Verlegeart des Ziegels: Biberschwanz, Mönch-und-Nonne, Krempziegel oder Falzziegel unterscheiden sich deutlich in Silhouette und Deckung. Die grundlegenden Unterschiede zwischen den einzelnen Dachziegel Arten erklärt der Überblicksartikel dieses Portals; hier geht es konkret darum, historische Ziegel im Bestand zu identifizieren, ihren Zustand zu beurteilen und sie fachgerecht instand zu setzen.

Dachziegel Arten Übersicht: Welche Typen findet man auf Altbauten?

Auf Gebäuden vor 1960 begegnen einem meist wenige, dafür sehr charakteristische Formen. Der Biberschwanz ist flach, meist rund oder gerade am unteren Ende und wird in Doppeldeckung verlegt – erkennbar an den zwei sichtbaren Ziegellagen. Mönch-und-Nonne-Ziegel stammen aus dem mediterranen und süddeutschen Raum und bestehen aus halbrunden Rinnen- und Deckziegeln ohne Falz, die ineinandergreifen.

Der Krempziegel (auch S-Pfanne genannt) besitzt eine geschwungene S-Form und wurde ab dem 19. Jahrhundert zum Standard vieler norddeutscher Dächer. Ab etwa 1900 setzten sich Falzziegel durch: Sie besitzen seitliche und obere Falze, die eine dichtere, einfachere Verlegung ohne Mörtelverstrich ermöglichen. Die Reformziegel und frühen Betondachsteine der 1920er- bis 1950er-Jahre bilden den Übergang zu heutigen Flachdachziegeln.

Regionale Brenntraditionen führten zusätzlich zu Sonderformen wie Schuppen-, Kronen- oder Strangfalzziegeln. Wer ein Dach saniert, sollte deshalb nicht von einer bundesweit einheitlichen Typologie ausgehen, sondern die lokale Bauweise recherchieren, etwa über alte Bauunterlagen oder Dachdeckerbetriebe in der Region.

Alter und Typ am Ziegel selbst bestimmen

Die zuverlässigsten Hinweise liefert der Ziegel direkt. Handgestrichene Exemplare aus der Zeit vor 1900 zeigen unregelmäßige Kanten, leichte Formabweichungen und eine ungleichmäßige Brennfarbe von Ziegel zu Ziegel. Maschinell gepresste Ziegel ab etwa 1880 sind dagegen maßhaltiger und oft mit einem Herstellerstempel auf der Rückseite versehen, der Ziegelei, Ort und manchmal Jahreszahl nennt.

  • Format und Deckbreite: Ältere Biberschwänze sind meist kleiner (etwa 15 × 38 cm) als spätere Serien, was Rückschlüsse auf die Bauzeit erlaubt.
  • Falzsystem: Ziegel ohne Falz oder mit einfachem Seitenfalz deuten auf Verlegung vor 1900; Doppelfalze mit Kopf- und Seitenüberdeckung sind jünger.
  • Scherbenfarbe und Klang: Ein dichter, hoch gebrannter Scherbe klingt beim Anschlagen hell und metallisch, ein poröser, unterbrannter Ziegel dumpf – ein einfacher Test für die Substanzqualität.
  • Glasur: Glasierte Biberschwänze oder Krempziegel wurden vor allem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingesetzt und weisen auf eine gehobene Bauausführung hin.

Bei denkmalgeschützten Gebäuden lohnt sich vor jeder Maßnahme eine Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde, da bestimmte historische Ziegel-Arten als schützenswert gelten und nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden dürfen.

Schäden erkennen: Reinigen, Reparieren oder Ersetzen?

Nicht jeder alte Ziegel muss ausgetauscht werden. Moos- und Flechtenbewuchs beeinträchtigt zwar die Optik, ist aber meist kein akuter Schaden, solange die Ziegelsubstanz intakt ist. Kritisch wird es bei Frostschäden: abgeplatzte Ecken, Abblätterungen der Oberfläche oder feine Haarrisse deuten darauf hin, dass Feuchtigkeit eingedrungen und beim Gefrieren gesprengt hat.

Ein einfacher Klopftest mit dem Fingerknöchel zeigt, ob ein Ziegel noch tragfähig ist: Klingt er hohl oder bröckelt Material ab, ist er durchfeuchtet oder strukturell geschwächt und sollte ersetzt werden. Weißliche Ausblühungen (Efflorescenzen) auf der Oberfläche weisen auf gelöste Salze im Ton hin und beschleunigen die Verwitterung zusätzlich.

Auch die Unterkonstruktion gehört zur Prüfung: Verrottete Dachlatten, durchgerostete Nägel oder eine spröde, rissige Unterspannbahn sind häufig die eigentliche Ursache für lockere oder verrutschte Ziegel – nicht der Ziegel selbst. Eine reine Ziegelreparatur ohne Kontrolle der Lattung behebt das Problem nur oberflächlich und führt meist innerhalb weniger Jahre zu erneuten Schäden.

Restaurierung Schritt für Schritt

Vor jedem Eingriff steht die Arbeitssicherheit: Ein normgerechtes Gerüst mit Seitenschutz und, bei Dachneigungen über etwa 20 Grad, zusätzliche Absturzsicherung sind Pflicht. Ohne diese Absicherung dürfen Arbeiten am geneigten Dach nicht ausgeführt werden – das gilt auch für vermeintlich kleine Ausbesserungen.

  1. Bestandsaufnahme: Beschädigte Ziegel markieren, Anzahl und exakten Typ dokumentieren, um passenden Ersatz zu beschaffen.
  2. Vorsichtiger Ausbau: Ziegel von oben nach unten lösen, um die darunterliegende Lattung freizulegen, ohne benachbarte Ziegel zu beschädigen.
  3. Kontrolle der Unterkonstruktion: Lattung, Konterlattung und Unterspannbahn auf Fäulnis, Rost und Risse prüfen und bei Bedarf erneuern.
  4. Reinigung: Moos und lose Ablagerungen mechanisch mit Bürste entfernen, keinen Hochdruckreiniger verwenden – er treibt Wasser tief in poröse Ziegel.
  5. Wiedereindeckung: Passende oder geborgene Ersatzziegel im ursprünglichen Verlegemuster einsetzen und, je nach Typ, verschraubt oder mit Mörtelverstrich fixieren.

Einzelne lockere Ziegel im Erdgeschossbereich mit sicherem Zugang können geübte Heimwerker austauschen. Größere Flächen, First- und Gratbereiche sowie alle Arbeiten oberhalb des ersten Obergeschosses gehören in die Hände eines Dachdeckerbetriebs, schon allein wegen der Absturzgefahr und der Gewährleistung.

Passende Ersatzziegel für historische Dächer finden

Originalgetreuer Ersatz ist der größte Engpass bei der Restaurierung alter Dächer. Abbruchmaterial aus Baustoffbörsen oder von Abrissobjekten liefert oft die einzige Möglichkeit, exakt passende Biberschwänze oder Krempziegel in ausreichender Stückzahl zu bekommen. Wichtig ist dabei, Format, Falztiefe und Farbton sorgfältig zu vergleichen, da schon geringe Maßabweichungen die Deckung undicht machen können.

Einige traditionsreiche Ziegeleien fertigen historische Profile weiterhin oder auf Bestellung nach, allerdings meist mit Mindestabnahmemengen und längeren Lieferzeiten. Für denkmalgeschützte Gebäude ist häufig ohnehin eine Genehmigung nötig, die festlegt, welche Ziegelform, Farbe und Verlegetechnik zulässig sind.

Lässt sich kein exakter Ersatz beschaffen, können vorhandene intakte Ziegel gezielt an gut sichtbaren Stellen wie der Straßenseite konzentriert und optisch weniger auffällige neue Ziegel zur Hofseite hin verlegt werden. So bleibt der Gesamteindruck des historischen Dachs erhalten, auch wenn nicht jedes Stück original ist.

Fazit

Die sichere Bestimmung alter Dachziegel-Arten über Form, Falz, Größe und Stempel ist die Grundlage jeder fachgerechten Restaurierung. Erst wenn Typ und Schadensbild klar sind, lässt sich entscheiden, ob Reinigung, punktueller Ersatz oder eine vollständige Neueindeckung mit passendem historischem Material die richtige Lösung ist – im Zweifel immer in Abstimmung mit einem Dachdeckerbetrieb oder der Denkmalschutzbehörde.

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