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Dachziegel-Arten: Material und Verarbeitung

Das Material bei Dachziegel-Arten entscheidet über Brennverfahren, Lebensdauer und Verlegetechnik – von Tonziegel bis Betondachstein.

Kategorie Dachziegel
Autor Katharina Vogt
Veröffentlicht
Lesezeit 4 Min.
Dachziegel-Arten: Material und Verarbeitung

Bei den Dachziegel-Arten ist das Material der entscheidende Unterschied: Tonziegel werden gebrannt, Betondachsteine gegossen, und beide Werkstoffe verhalten sich beim Verlegen, bei der Statik und im Alter grundlegend verschieden. Während die Formen und Deckungsbilder der einzelnen Ziegelarten an anderer Stelle im Detail behandelt werden, geht es hier ausschließlich um den Rohstoff selbst und seine Verarbeitung vom Werk bis auf die Dachlatte.

Tonziegel: gebrannter Naturstoff mit langer Tradition

Klassische Tondachziegel bestehen aus aufbereitetem Ton, der geformt, getrocknet und anschließend bei Temperaturen zwischen etwa 1000 und 1150 °C gebrannt wird. Dieser Brennprozess verändert die Mineralstruktur dauerhaft und macht den Ziegel wasserabweisend, frostbeständig und extrem langlebig – Nutzungsdauern von 80 bis über 100 Jahren sind bei fachgerechter Verlegung realistisch.

Für die Optik und den zusätzlichen Witterungsschutz erhalten viele Tonziegel eine Oberflächenveredelung:

  • Engobe: eine feine Tonschlämme, die vor dem Brand aufgetragen wird und farblich changierende, matte Oberflächen erzeugt.
  • Glasur: eine glasartige Schicht, die im Brand verschmilzt, besonders glatt und schmutzabweisend ist und die Wasseraufnahme weiter reduziert.
  • Naturrot unglasiert: die traditionelle, poröseste Variante mit der höchsten Wasseraufnahme, aber auch dem authentischsten Erscheinungsbild.

Die Wasseraufnahmefähigkeit ist bei Tonziegeln nach DIN EN 1304 begrenzt, da sie direkten Einfluss auf die Frostbeständigkeit hat – ein Kriterium, das beim Materialvergleich zwischen den verschiedenen Dachziegel-Arten oft unterschätzt wird.

Betondachsteine: industrielle Fertigung mit Zementbindung

Betondachsteine bestehen aus Zement, Sand, Wasser und mineralischen Pigmenten. Sie werden nicht gebrannt, sondern in Formen gepresst oder gestrichen und härten anschließend über mehrere Wochen aus, bis die volle Festigkeit erreicht ist – ein Verfahren, das nach DIN EN 490 geregelt ist.

Die Farbgebung erfolgt meist durch eine dünne Beschichtung, die während der Fertigung aufgebracht wird und je nach Produkt nach 15 bis 25 Jahren nachbehandelt oder gereinigt werden sollte, damit die Oberfläche nicht verwittert und Grünbewuchs Fuß fasst. Im direkten Vergleich der Arten von Dachziegeln fällt vor allem das höhere Gewicht von Betondachsteinen auf, das bei der Dimensionierung der Dachkonstruktion und der Lattung berücksichtigt werden muss.

Vorteile des Betondachsteins liegen in der gleichmäßigen Maßhaltigkeit und dem meist günstigeren Preis, Nachteile in der im Vergleich zum gebrannten Ton geringeren Farbtiefe und einer etwas kürzeren, aber dennoch für Wohngebäude ausreichenden Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren.

Naturschiefer und weitere Sonderwerkstoffe

Neben Ton und Beton gibt es Dachziegel-Arten, die nicht künstlich hergestellt, sondern aus Naturstein gewonnen werden. Schiefer wird in dünnen Platten aus dem Gestein gespalten und ohne chemische Behandlung verlegt; seine Materialfestigkeit und Wetterbeständigkeit stammen allein aus der geologischen Entstehung.

Schiefer ist deutlich schwerer und teurer als Ton oder Beton, erreicht dafür aber Standzeiten von teils über 100 Jahren und wird häufig bei denkmalgeschützten oder repräsentativen Gebäuden eingesetzt. Verlegung und Zuschnitt erfordern spezialisiertes Fachwissen, weshalb diese Arbeiten in der Regel ausschließlich von Dachdeckerbetrieben mit entsprechender Erfahrung ausgeführt werden.

Seltener kommen auch Faserzement- oder Kunststoffziegel zum Einsatz, etwa bei Sanierungen mit besonderen Gewichtsvorgaben. Sie imitieren optisch Ton- oder Schieferoptik, unterscheiden sich aber in Materialverhalten, Lebensdauer und Zulassung erheblich und sollten nur nach Prüfung der bauaufsichtlichen Zulassung verwendet werden.

Alte Dachziegel-Arten: Material im Baubestand erkennen

Bei Sanierungen und im Denkmalschutz spielt die Identifikation alter Dachziegel-Arten eine zentrale Rolle, weil ältere Materialchargen oft von heutigen Normen abweichen. Historische, handgestrichene Tonziegel wurden bei niedrigeren und weniger gleichmäßigen Temperaturen gebrannt, was zu größerer Materialdichte-Streuung und teils höherer Wasseraufnahme führt.

Typische Merkmale alter Dachziegel-Arten sind:

  • unregelmäßige Ränder und leichte Maßabweichungen durch Handarbeit statt Strangpressung,
  • eine matte, unglasierte Naturrot-Oberfläche ohne moderne Engobe,
  • höhere Sprödigkeit durch jahrzehntelange Frost-Tau-Wechsel im Material.

Wer solche Bestandsziegel wiederverwenden oder ergänzen will, sollte die Tragfähigkeit einzeln prüfen lassen, da Mikrorisse im gebrannten Ton von außen oft nicht sichtbar sind. Bei denkmalgeschützten Dächern ist zudem häufig eine Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde erforderlich, bevor Material ausgetauscht oder ergänzt wird.

Was das Material für die Verarbeitung auf dem Dach bedeutet

Das gewählte Material bestimmt nicht nur die Optik, sondern auch die konkrete Verlegetechnik. Betondachsteine benötigen wegen ihres höheren Gewichts eine tragfähigere Lattung und engere Sparrenabstände, während leichtere Tonziegel hier mehr Spielraum lassen.

Auch die Befestigung unterscheidet sich: Glasierte Tonziegel sind glatter und rutschen bei falscher Verlegeneigung leichter, weshalb Herstellervorgaben zur Mindestdachneigung und Sturmklammerung strikt einzuhalten sind. Naturschiefer wird traditionell genagelt statt eingehängt, was spezielles Werkzeug und Erfahrung im Umgang mit dem spröden Material voraussetzt.

Vor der Verlegung jeder Materialart gehört eine Prüfung der Unterkonstruktion auf Tragfähigkeit und Belüftung zum festen Ablauf – wird das übersprungen, drohen Durchbiegungen der Lattung oder Feuchteschäden in der Dachkonstruktion, unabhängig davon, wie hochwertig der Ziegel selbst ist.

Fazit

Das Material ist der zentrale Unterscheidungspunkt zwischen den Dachziegel-Arten: Ton wird gebrannt, Beton gegossen, Schiefer gespalten – und jedes Verfahren bringt eigene Anforderungen an Statik, Befestigung und Lebensdauer mit sich. Wer Bestandsdächer saniert oder neu eindeckt, sollte das verwendete Material genau kennen, bevor Verlegetechnik und Unterkonstruktion festgelegt werden.

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