rohbauwissen.de

Baustoffe

Nachhaltige Baustoffe: Komplette Liste

Diese nachhaltige Baustoffe Liste zeigt geprüfte Materialien für Rohbau und Ausbau – nach Rohstoff, Einsatzbereich und Umweltwirkung sortiert.

Kategorie Baustoffe
Autor Torsten Reimann
Veröffentlicht
Lesezeit 4 Min.
Nachhaltige Baustoffe: Komplette Liste

Eine nachhaltige Baustoffe Liste ordnet Materialien danach, wie sie hergestellt werden, wie viel CO2 sie binden oder freisetzen und wie leicht sie sich am Ende eines Gebäudelebens trennen und wiederverwenden lassen. Sie reicht von pflanzlichen Rohstoffen über mineralische und recycelte Produkte bis zu Unternehmen, die mit klimafreundlicher Bauproduktion an der Börse aktiv sind. Der folgende Überblick sortiert die wichtigsten nachhaltigen Baustoffe nach Herkunft, Einsatzbereich und praktischer Relevanz für Planung und Ausführung.

Welche Kriterien bestimmen, was auf die Liste kommt?

Nicht jedes Material, das "ökologisch" beworben wird, hält einer genaueren Prüfung stand. Entscheidend sind vier Faktoren: die graue Energie, also der Energieaufwand für Gewinnung, Transport und Herstellung; die Ökobilanz über den gesamten Lebenszyklus (Lebenszyklusanalyse, LCA); die Schadstofffreiheit im eingebauten Zustand sowie die Rückbaubarkeit am Ende der Nutzungsdauer.

Für den Einbau gelten zusätzlich technische Nachweise: Dämmstoffe müssen die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erfüllen, tragende Bauteile brauchen einen statischen Nachweis nach den einschlägigen DIN-Normen, und brennbare Naturmaterialien benötigen je nach Gebäudeklasse eine bauaufsichtliche Zulassung oder einen Einzelfallnachweis im Brandschutz. Eine seriöse Liste nachhaltiger Baustoffe verbindet deshalb ökologische Kennwerte immer mit der bauphysikalischen und rechtlichen Eignung für den konkreten Bauteil.

Nachhaltige Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Den Kern jeder Liste bilden nachhaltige Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, also Materialien pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, die sich innerhalb überschaubarer Zeiträume neu bilden:

  • Holz und Holzwerkstoffe – Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz und Brettsperrholz für Tragwerk, Decken und Wände.
  • Stroh – als Dämmung in Ballenform oder gepresst als Platte; für tragende Strohballenwände ist eine bauaufsichtliche Zulassung und eine geprüfte Statik zwingend.
  • Hanf und Flachs – als Dämmstoffmatten oder in Kombination mit Kalk als Hanfkalk für nichttragende Wände.
  • Schafwolle und Zellulose – Zellulose meist aus Recyclingpapier, als Einblas- oder Klemmdämmung.
  • Kork und Schilfrohr – Kork als Trittschall- und Fassadendämmung, Schilf als Putzträger und Dämmmaterial im Altbau.

Bei allen diesen Materialien ist der Feuchteschutz entscheidend: Ohne funktionierende Dampfbremse und diffusionsoffenen Wandaufbau drohen Schimmelbildung und Substanzverlust, weshalb die Detailplanung idealerweise mit einem Bauphysiker abgestimmt wird.

Mineralische und recycelte nachhaltige Baustoffe

Neben organischen Rohstoffen gehören mineralische Materialien mit geringem CO2-Fußabdruck und recycelte Baustoffe zur Liste. Sie eignen sich besonders für tragende und feuchtebelastete Bauteile, bei denen pflanzliche Materialien an Grenzen stoßen.

MaterialRohstoffbasisTypischer Einsatzbereich
Lehmmineralisch, regional unbegrenzt verfügbarInnenwände, Putz, Speichermasse
Kalkgebrannt, bindet beim Aushärten CO2Putz, Mauerwerk, Fugen
Recyclingbeton (RC-Beton)Bauschutt-Rezyklat als ZuschlagFundamente, Tragwerk
Ziegel mit RezyklatanteilTon mit ReststoffbeimischungMauerwerk, Verblendung
Hanfkalk (Hempcrete)Hanfschäben und KalkbinderDämmung, nichttragende Wände

Für Recyclingbeton in tragenden Bauteilen verlangt die Norm einen Eignungsnachweis des Zuschlagstoffs; nicht jede Recyclingqualität ist für jede Festigkeitsklasse zugelassen. Wer RC-Beton oder Rezyklatziegel im Rohbau einsetzen will, sollte das frühzeitig mit dem Statiker und dem Prüfingenieur klären, um spätere Umplanungen zu vermeiden.

Wie werden nachhaltige Baustoffe in der Architektur kombiniert?

In der Praxis stehen nachhaltige Baustoffe in der Architektur selten allein, sondern werden gezielt kombiniert: ein Tragwerk aus Recyclingbeton oder Holz, eine Fassadendämmung aus Holzfaser oder Hanf, ein Innenausbau mit Lehmputz für ein ausgeglichenes Raumklima. Orientierung bieten Umweltproduktdeklarationen (EPD) sowie Gütesiegel wie natureplus oder der Blaue Engel, die Herkunft, Schadstoffgehalt und Ökobilanz eines Produkts vergleichbar machen.

Für Gebäudezertifizierungen nach DGNB oder BNB fließen diese Nachweise direkt in die Bewertung ein. Wichtig für die Planung: Brennbare Naturdämmstoffe sind in höheren Gebäudeklassen nur mit zusätzlichem Brandschutznachweis zulässig, weshalb ein Fachplaner Brandschutz bei mehrgeschossigen Projekten frühzeitig eingebunden werden sollte. Wer diesen Schritt überspringt, riskiert eine Nachbesserung kurz vor der Bauabnahme.

Sind nachhaltige Baustoffe auch als Aktien relevant?

Die wachsende Nachfrage nach emissionsarmen Baumaterialien hat auch eine wirtschaftliche Seite: Hersteller von klimafreundlichem Zement, Holzbauunternehmen und Produzenten von Naturdämmstoffen sind zunehmend als börsennotierte Unternehmen präsent, und einige Anleger beobachten nachhaltige Baustoffe deshalb als Aktienthema innerhalb breiterer Bau- und Klimaindizes. Für Planer und Handwerker auf der Baustelle ist diese Marktentwicklung vor allem als Signal interessant: Sie zeigt, in welche Produktlinien Hersteller investieren und wo künftig mit größerer Auswahl, besseren Zulassungen und stabileren Lieferketten zu rechnen ist.

Für konkrete Anlageentscheidungen ersetzt dieser Überblick keine Finanzberatung; er macht lediglich deutlich, dass die Liste nachhaltiger Baustoffe nicht nur ein technisches, sondern auch ein wirtschaftlich wachsendes Feld beschreibt.

Fazit

Eine vollständige Liste nachhaltiger Baustoffe unterscheidet zwischen nachwachsenden Rohstoffen wie Holz, Stroh und Hanf, mineralischen und recycelten Materialien wie Lehm, Kalk und RC-Beton sowie deren kombiniertem Einsatz in der Architektur. Welches Material im Einzelfall passt, hängt von Statik, Brandschutz und Feuchteschutz ab – Fragen, die am besten gemeinsam mit Architekt, Statiker und gegebenenfalls einem Energieberater geklärt werden, bevor der erste Stein oder Ballen verbaut wird.

Zurück zu Baustoffe

Ähnliche Artikel